Gerbrunn / Lesnica – Der internationale Austausch ist seit Jahren ein zentraler Bestandteil des Schullebens an der Eichendorff Grund- und Mittelschule Gerbrunn. Neben Begegnungen mit Partnergemeinden in Frankreich und Tschechien stand in diesem Jahr ein ganz besonderes Ziel im Fokus: die polnische Gemeinde Lesnica in Oberschlesien.

Im Rahmen des Erasmus+-Programms reisten 62 Schülerinnen und Schüler der 8., 9. und VK-Klassen für fünf Tage nach Polen. Vorausgegangen war eine sechsmonatige intensive Zusammenarbeit der Lehrerkollegien beider Schulen, um den Austausch sorgfältig vorzubereiten. Unterstützt wurden sie dabei von OStD a.D. Norbert Baur, dem Gründer des Vereins „europafels e.V.“, der während des Projekts stets beratend zur Seite stand. Bereits im November hatten drei Lehrkräfte aus Gerbrunn die Partnerschule besucht, um organisatorische Details vor Ort zu klären. Im April war es dann soweit: Die Schüler machten sich auf den Weg – und kehrten mit bleibenden Eindrücken zurück.

Der Start des Austauschs verlief unkompliziert: Bei gemeinsamen Sportabenden überwanden die Jugendlichen schnell sprachliche Hürden. Schon am ersten Abend wurden Kontakte geknüpft und Telefonnummern ausgetauscht – die Basis für neue internationale Freundschaften.

Neben dem sozialen Austausch stand auch die gemeinsame Geschichte im Mittelpunkt. In der Stadt Opole setzten sich die Schüler mit der deutsch-polnischen Vergangenheit der Region auseinander. Sie erfuhren, warum viele polnische Familien auch deutsche Wurzeln haben und welche Rolle Sprache und Identität dabei spielen.

Ein weiteres Highlight war der Besuch von Wrocław. Dort begaben sich die Jugendlichen auf die berühmte „Zwergensuche“. Was zunächst spielerisch begann, entwickelte sich zu einer tiefgehenden Auseinandersetzung mit Themen wie Meinungsfreiheit und politischem Widerstand.
Auch wirtschaftliche und historische Aspekte kamen nicht zu kurz: Bei der Besichtigung eines Salzbergwerks erfuhren die Schüler, wie stark der Bergbau eine Region prägen kann und unter welchen Bedingungen Menschen früher arbeiteten.

Besonders bewegend war der gemeinsame Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Die Organisation stellte eine große Herausforderung dar, doch dank zusätzlicher Workshops konnten die Eindrücke pädagogisch aufgearbeitet werden. Der Tag hinterließ bei allen Beteiligten tiefe Spuren und regte zum intensiven Nachdenken an.

Den Abschluss bildete ein gemeinsamer Abend am Marienberg mit Lagerfeuer und Grillen – ein emotionaler und verbindender Ausklang einer ereignisreichen Woche.
Vier Wochen nach der Rückkehr ziehen beide Schulen ein durchweg positives Fazit: Die Reise war geprägt von Begegnungen, neuen Perspektiven und wertvollen Erfahrungen. Für alle Beteiligten steht fest – dieser Austausch soll keine einmalige Erfahrung bleiben.